Geschichte des Turn- und Sportvereins e.V. 1861 Bingen-Büdesheim
Wenn ein Verein 100 Jahre lang für die Erziehung unserer Jugend tätig ist, ist es notwendig, einen Rückblick auf die Vereinsgeschichte zu werfen, um zu zeigen, dass das Ziel der deutschen Turnerschaft „Das Turnen zum Allgemeingut des deutschen Volkes“ zumachen, voll und ganz gelungen ist.
Schon im Jahre 1848 wurde von Turnvater Jahn selbst ein Turnverein gegründet, der aber, durch die damaligen politischen Verhältnisse bedingt, sich nicht halten konnte. Erst im Jahre 1861 wieder schritten 25 junge Männer unter Führung von Adolf braden zur Gründung eines Turnvereins, dem es nun gelang, trotz Auf- und Niedergang ein festes Gefüge zu bekommen und nunmehr jetzt sein 100-jähriges Bestehen feiern kann.
Die ersten Jahre des Bestehens sind als Aufbaujahre zu bezeichnen. Der Turnbetrieb wurde rege betrieben, und jede Gelegenheit, das Wollen und Können bei den verschiedenen turnerischen Wettkämpfen zu zeigen, benutzt, und die Erfolge blieben nicht aus. Schon im Jahre 1863 fanden wir den Turner Philipp Frey beim Turnfest in Bingen als Sieger. In diesem Jahre konnte auch die erste Fahne geweiht werden.
Die Turnerei selbst konnte allerdings nur in gemieteten räumen, die oft wechselten, betrieben werden, wodurch gro0e Schwierigkeiten entstanden, so dass der Gedanke, eine eigenes Heim zu beschaffen, immer mehr hervortrat. Unter dem Vorsitz des im Jahre 1884 gewählten Peter Paul Krämer wurde der im Januar 1887 von dem Turner Heinrich Braden gestellte Antrag, den Kauf eines Bauplatzes vorzunehmen, im Januar 1888 verwirklicht und im Jahre 1890 beschlossen, einen Hallenbau vorzunehmen.
Dank der Baukommission, bestehend aus den 15 Turnern: Heinrich Braden, Siegfried Simon, Johann Lamby, Franz Kunz, Jakob Weckert, Josef Wendel, Martin Nagel, Johann Franz Ebersmann, Johann Braden, Andreas Motz, Peter Paul Krämer, Philipp May, Johann Frank, Johann Jung und Bernhard Wendel, welche sich gegenseitig für das Baukapital und dessen rückzahlung mit jährlich 540,– DM verbürgten, der Bau konnte begonnen und die Halle an Kirchweihe 1891 eingeweiht werden.
Im März 1892 erhielt der Verein Korporationsrecht und übernahm im gleichen Jahre zum ersten Male ein Gauturnfest. Im Herbst 1892 wurde an Stelle des zurückgetretenen und zum Ehrenvorsitzenden ernannten Peter Paul Krämer dessen Schwiegersohn Heinrich Braden zum Vorsitzenden gewählt. Als Ende 1899 Heinrich Braden den Vorsitz Niederlegte, übernahm Simon Grünewald denselben. 26 Jahre leitete er den Verein als Vorsitzender und stand ihm bis zu seinem im Jahre 1926 erfolgten Toge als Ehrenvorsitzender mit Rat und Tat zur Seite. In den Jahren seiner Tätigkeit wurde das 1. Zöglingswetturnen und im Jahre 1906 das 21. gauturnfest in Büdesheim gefeiert. Die Anschaffung einer zweiten Fahne würde im Jahre 1899 vorgenommen.
Im Jahre 1911 fand die 50-Jahrfeier, verbunden mit einem Zöglingswetturnen, statt. Der Weltkrieg 1914-1918 brachte eine Unterbrechung der Turnerei. Von 233 Mitgliedern wurden 145 einberufen.24 fanden den Heldentod, deren Andenken durch Anbringen einer Gedenktafel im Jahre 1920 geehrt wurde. Die Halle war als Gefangenenlager belegt und wurde nach Beendigung des Krieges noch 1 Jahr von der Besatzung beschlagnahmt. Unter Turner Heinrich Honrath kam die Turnerei wieder richtig in Schwung. 1920 gesellte sich eine Damenriege dazu. Eine Sportabteilung wurde gebildet, welche einen Spielplatz an der Rochusstraße zur Verfügung gestellt bekam, auf welchem 1921 das 60jährige Bestehen gefeiert wurde.
Passiver Widerstand und Geldentwetung 1923 brachten dem Verein auch finanzielle Verluste. Der Spielplatz fiel der Inflation zum Opfer.
Für seine Tätigkeit im Verein erhielt Simon Grünewald 1921 den Gau-Ehrenbrief und 1925 den Kreis-Ehrenbrief. Sein Nachfolger wurde im Jahre 1925 Gustav Braden. Unter seiner Leitung wurde der schon oft erwogene Plan, die Halle zu erweitern, zum Beschluß erhoben und Turner Georg Lemmer mit der Durchführung beauftragt. Im Jahre 1929 wurde an Kirchweih die erweiterte Halle ihrer Bestimmung übergeben. Gustav Braden wurde uns leider im Jahre 1930 im 40. Lebensjahr durch den Tod entrissen. An seiner Stelle übernahm Georg Lemmer den Vorsitz. In seiner leider nur kurzen Tätigkeit konnte das 70jährige Bestehen, verbunden mit dem 40 Gauturnfest, im Juli 1931 gefeiert werden. Die organisatorisch gut aufgezogene Feier und deren glänzender Verlauf sind noch allen in guter Erinnerung. Wegen Krankheit musste Georg Lemmer im März 1933 sein Amt niederlegen. Der Verein ernannte ihn zum Ehrenvorsitzenden. 1935 verstarb er im 54. Lebensjahre.
Im März 1933 übernahm Lehrer Dr. Bullmann den Vorsitz, den er aber bereits nach einem Jahr wegen Versetzung niederlegen musste.
Nach vorübergehender Leitung durch den 2. Vorsitzenden Heinrich Heckmann wurde am 28. März 1934 August Wirth jr., welcher seit längeren Jahren als aktiver Turner und Turnwart tätig war und auch heute noch tätig ist, zum Vorsitzenden gewählt. Die damaligen Verhältnisse machten sich auch in unserem Verein unliebsam bemerkbar und bedingten öfteren Wechsel in der Vereinsleitung.
Ab 29. Mai 1938 war Mathias Körner 1. Vorsitzender, und nach seiner Einberufung zur Wehrmacht 1940 übernahm Hermann Hammes bis Kriegsende die Leitung des Vereins. 14 Mitglieder zählten zu den Gefallenen und Vermissten dieses Völkerringens.
Während des Krieges war die Halle von der Wehrmacht belegt, dann folgte Verbot der Vereine, welches erst 1946 für unseren Verein aufgehoben wurde. Nach vorübergehendem Zusammenschluß aller sporttreibenden Vereine als „Sportvereinigung Groß-Bingen“ wurde der Verein unter dem Vorsitz von J.B. Kern wieder lebensfähig. 1950 wurde der Sportplatz an der Bahnhofstraße angeschafft und im März 1950 die Namensänderung in „Turn- und Sportverein 1861 e.V. Bingen-Büdesheim“ vollzogen.
Zu den inzwischen wieder sehr aktiv tätigen Turnabteilungen, insbesondere de Damenabteilung unter Leitung von Lena Eckert, kam die Neubildung des jetzt weit und breit bekannten Spielmannszuges durch Karl Dippel, die Bildung einer Wintersport- und Tischtennisabteilung hinzu. Nachdem turner J.B. Kern am 21. Mai 1955 den Vorsitz niederlegte und zum Ehrenvorsitzenden gewählt wurde, übernahm Aloys Mattes die Leitung. Leider auch nur für kurze Zeit. Infolge Versetzung schied er am 15. Februar 1957 aus. Der Verein dankte ihm für seine Tätigkeit mit der Ernennung zum Ehrenmitglied.
Als sein Nachfolger wurde am 17. März 1957 Rolf Schäfer Vorsitzender, der heute noch die Leitung hat, und dem ein gut arbeitender Stamm bewährter Turnerinnen und Turner als Vorstandsmitglieder zu Seite stehen. Unter seiner Leitung wurde die bereits längere Zeit erfolgte Anregung, die zweite Erweiterung der Halle vorzunehmen, in mustergültiger Weise durchgeführt. Durch den Anbau eines Jugendraumes wurde die Halle derart vergrößert, dass alle Abteilungen reibungslos arbeiten können und gleichzeitig eine gemütliche Gaststätte geschaffen, die allen Anforderungen entspricht und gleichzeitig als Versammlungsraum jederzeit zur Verfügung steht. Die Fertigstellung fand im Dezember 1960 statt, und die bis jetzt stattgefundenen Vergnügungsfeiern des Vereins selbst und sonstiger Vereine fanden großen Zuspruch und allseitige Zufriedenheit.
Nicht unerwähnt soll bleiben, dass bei den Umbauarbeiten die im Jahre 1891 bei der Grundsteinlegung eingemauerte Urkunde vergilbt, aber noch lesbar, vorgefunden wurde. Der Wortlaut der Urkunde erscheint an anderer Stelle.
Möge das neugeschaffene Werk mit dazu beitragen, dass die Turnerei in ihrer Vielseitigkeit weiterhin gut vorwärts schreitet und die jetzt wieder gezeigte Einsatzbereitschaft aller Mitglieder bei der Festvorbereitung sich zum Wohle der Turnerei im allgemeinen, nicht zuletzt für unseren Verein, gut auswirkt.
Das sei der Wunsch zum 100-jährigen Bestehen.
Gut Heil
HEINRICH TRABLE
Schriftführer von 1910 bis 1936