60 Jahre Büdesheimer Turnverein
Im Jahre 1846 von Friedrich Ludwig Jahn selbst gegründet, durch die Reaktion der Jahre 1848/50 wieder aufgelöst, wurde die eigentliche Neubildung des Turnvereins Büdesheim im September 1861 vollzogen.
Von den 25 jungen Männern, die damals dem Verein beitraten, befindet sich als einziger noch in unseren Reihen: Unser Ehrenmitglied Josef Kunz. Treu und unentwegt hat die langen Jahre zum Verein gehalten und die Sache gefördert, es wird ihm sicher eine Freude sein, dass das “kleine Vereinchen” von damals, heute zu einem achtungsgebietenden Verein emporgestiegen ist.
Wechselvoll war die Geschichte des Vereins in den 60 Jahren. Am 28. Januar 1863 in den deutschen Turnerbund aufgenommen, beteiligten sich die Turner —- nachdem Mitte Juli 1863 die erste Fahne geweiht war — zum ersten Mal ein Turnfest. Wer könnte die Zahl der Preise alle Zählen, die im Laufe des Bestehens von den Mitgliedern auf allen möglichen Wettkämpfen errungen wurden und immer noch wächst die Zahl derjenigen, die für die Turnerei und mit der Turnerei arbeiten.
Eine kleine Stockung brachten die Kriegsjahre 1870/71, jedoch lebte die Vereinstätigkeit sehr bald wieder auf, um anfangs der 80er Jahre einer Krisis zu begegnen, die dem Verein beinahe den Untergang brachte.
Nur 13 Mitglieder blieben dem Verein treu und von diesen sind es außer dem Gründer Kunz, die Mitglieder Josef Adamo, Peter Kunz und Georg Decker, denen wir heute das Diplom für 44 bezw. 40jährige Mitgliedschaft überreichen können.
Im Jahre 1885 erfolgte die Aufnahme des Vereins in den neugebildeten Unter-Nahe-Gau, sodaß auch die Gelegenheit geboten wurde, im engeren Kreise sich zu betätigen.
Der Ankauf des Grundstückes Wilhelmstraße im Jahre 1888 brachte auch die Anregung zum Bau einer eigenen Turnhalle, deren Einweihung bereits im November 1891 stattfand. Schwer ist der Entschluß zum Hallenbau beworden, aber dennoch fanden sich eine größere Anzahl Turner, die bereitwilligst für die Kaufsumme von ca M. 10.000.– bezw. Die jährliche Amortisations-Schuld von M. 450.– sich verbürgten.
Wenn auch die Erfüllung der Ehrenschuld eine schwere Aufgabe war, so ist sie durch die erfolgte Auszahlung im Stätjahr 1918 glücklich gelöst und es ist unsere Aufgabe heute den Männern, die diese Ehrenschuld übernahmen den Dank auszusprechen, indem wir den noch lebenden Garantie-Zeichnern, den Turnern: Johann Lamby 1., Siegfried Simon, Martin Nagel und Andreas Motz das Diplom als Ehrenmitglied überreichen. Unser alter Turner Josef Kunz befindet sich ebenfalls unter diesen Garantiezeichnern, hat aber in Anbetracht seiner Verdienste um den Verein bereits beim 50jährigen Jubiläum das Ehrendiplom erhalten.
Erwähnungswerte Ereignisse sind, die Verleihung des Korporationsrechtes im Jahre 1892, die Neuanschaffung und weihe einer zweiten Fahne im Jahre 1892 und die Übernahme des Präsidiums durch den Turner Simon Grünewald im Jahre 1899, unter dessen Leitung der Verein heute noch steht und zur jetztigen Blüte gelangt ist.
Die Ereignisse der letzten Jahre insbesondere der Kriegsjahre 1914/18 sind an unserem Verein auch nicht spurlos vorübergegangen, standen doch nahezu zwei drittel seiner Mitglieder im Felde und starben 25 Mitglieder den Heldentod, deren Gedenken der Verein im August 1920 durch Anbringung einer Gedenktafel ehrte. Die Belegung der Halle während der Kriegsjahre durch die Gefangenen und nachher durch die Besatzung hinderte die Ausübung des Turnbetriebes, bis im Sommer 1919 endlich der Betrieb wieder aufgenommen werden konnte und seitdem unter Leitung des Turnwarts Honrath in mächtiger Entwicklung steht. Im Januar 1920 fand die Bildung einer Damenriege statt, welche, anfangs bekämpft, heute die Sympathie aller besitzt und deren ständiger Zuwachs der Abteilung eine schöne Zukunft verspricht. Der Forderung der Neuzeit “Treibt Sport” Rechnung tragend suchte und fand der Verein nach kurzer Zeit einen Spiel- und Turnplatz, welcher direkt paralell mit der Wilhelm-strasse bequem von der Halle aus zu erreichen ist, sodaß nunmehr die gesamte Turnerei mit ihren vielseitigen Ausbildungsarten gepflegt und gehegt werden kann. Nicht unverwähnt zu lassen ist auch die eigentlich erst im Werden begriffene Schülerabteilung, die für das mit unserer Jugel-feier verbundenen Zöglingswetturnen bereits eine Anzahl Mitkämpfer stellt, und die dank einer vorzüglichen Leitung zu den besten Hoffnungen berechtigt.
Der Kassenbestand und die Vermögensverhältnisse des Vereins sind als befriedigende zu bezeichnen; wenn auch die Neuanschaffungen von Geräten und Unterstützungen der Turner bei Turnfesten große Summen verschlingen, so bleibt dank einer gesunden Wirtschaftspolitik immer noch ein Überschuß, sodaß auch der wunde Punkt bei vielen Vereinen “die Geldnot” hier nicht in Frage kommt. Der Mitgliederbestand, welcher sich in den letzten 10 Jahren zwischen 230 – 250 Mitgliedern bewegte und im Jahre 1917 auf 180 fiel, ist heute enorm in die Höhe gegangen und mit rund 380 Mitgliedern, (darunter 40 die 25 und mehr Jahre dem Verein angehören), stehen wir als größter Landverein im Unter-Nahe-Gau da. Das Ziel, die körperliche Ertüchtigung und Erziehung der Jugend soll nach wie vor Hauptaufgabe des Turnvereins Büdesheim bleiben, getreu dem Dicherwort: “Ja zu hehrem Ziel, führet unser Spiel”
Gut Heil